Kultur – die Frage nach dem Wie

Kultur fragt nach dem Wie, sie ist qualitativer Ausdruck des Zusammenlebens und der Befindlichkeit. Das gilt für die Gesellschaft insgesamt, wie auch für die Politik und die Wirtschaft.

Gemessen an der Bedeutung, die die Kultur für die Gesellschaft hat, wird sie politisch stiefmütterlich behandelt. Nicht, dass der Staat wenig Geld für Kultur ausgeben würde, doch wird sie eher als Muss denn als Wunsch mitgeführt. Das ist Ausdruck einer Politik, die das Paradigma des gesamtheitlichen Denkens nicht wirklich verstanden hat. Leider gilt das auch für die Wirtschaft.

Kulturelles Leben, die Künste, sind Zeichen davon, wie eine Gesellschaft zusammenlebt, wie sie denkt, wie frei sie ist und wie sie sich organisiert. Kulturelles Schaffen findet immer statt, selbst unter den widerlichsten Umständen. Wie dieses Schaffen in der Öffentlichkeit dargestellt wird, hängt von der politischen Situation sowie der Ausbildung und der Befindlichkeit der Bevölkerung ab. Eine liberale Gesellschaft, wie wir sie in der Schweiz anstreben, lässt Kulturschaffende frei arbeiten und sorgt für einen institutionellen Rahmen, der die Darstellung von Kultur ermöglicht. Subventionen an Museen, Theater, die Symphonie etc. sind Garanten dafür, dass nicht wenige Mächtige mit ihrem Portemonnaie weitgehend bestimmen können, was wir zu sehen bekommen. Eine liberale Gesellschaft tut gut daran, die Kulturschaffenden in gesellschaftliche Prozesse einzubeziehen. Ihre Art der Kreativität und des Andersdenkens würde manches Infrastrukturprojekt und die Suche nach politischem Konsens bereichern.
Wenn Kultur das Abbild einer Gesellschaft ist, dann gilt dies besonders auch für die Wirtschaft. Unternehmenskultur ist mehr als ein vages Gefühl, wie ein Unternehmen wahrgenommen wird. Unternehmenskultur muss gestaltet werden. Sie entscheidet über das Corporate Image, die Zusammenarbeit im Unternehmen und über das Wohlbefinden der Mitarbeitenden. Dabei ist Wohlbefinden kein schöngeistiges Nice-to-have, sondern prägend für die Entfaltung von Kreativität, für langfristiges Engagement, für die Bereitschaft zu Eigenverantwortung und für Gesundheit. Wohlbefinden entsteht, wenn Mitarbeitende als Menschen geachtet werden.

Zu einer gepflegten Kultur, einer Kultur, die bewusst und achtsam gestaltet wird, gehören stets die Fragen nach dem Wie und den langfristigen Folgen. Das ist eine Verantwortung, die wir als Bürgerinnen und Bürger alle tragen.

Dieser Beitrag ist erstmals erschienen in „Die Marginalie“, Hauszeitschrift der Stämpfli Gruppe Bern, Nr. 1/2015

Über pstaempfli

Unternehmer mit besonderem Interesse für Unternehmenskultur und Unternehmens- und Verbandskommunikation. Mitinhaber von Stämpfli Gruppe Bern: Auch bei Fokus Bern zu finden:
Dieser Beitrag wurde unter Kultur und Kulturpolitik, Marginalie Leitartikel abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s