«Alles beginnt bei mir». Über das Lernen

Wir lernen ein Leben lang viel und oft unbewusst. Um uns selber kennenzulernen, bedarf es bewusster Anstrengungen.

«Das Leben ist eine Arbeit, ein Beruf, den zu lernen man sich Mühe geben muss.»
Honoré Balzac, in «Gobseck»

Laufen lernen wir unbewusst, und auch danach nehmen wir das meiste, was wir im Alltag benötigen, unbewusst auf, wenn wir auch in der Schule, der Lehre und in beruflichen Ausbildungsgängen zielgerichteter lernen als nur täglich nebenbei. Kaum jemand lehrt uns allerdings, wie wir uns selber kennenlernen. Das ist kein Schulfach. Wer Glück hat, lernt es bereits im Elternhaus oder bei einer Lehrmeisterin oder einem Lehrmeister, die wissen, dass Lernen weiter reichen muss als bis zur nächsten Prüfung. Einige lernen schmerzhaft über sich nachzudenken, wenn sie in eine Lebenskrise geraten, oder mehr oder weniger freiwillig in einem berufsbezogenen «Motivationstraining» oder wie die Kurse alle heissen.

Wer bin ich? Was will ich in meinem Leben? Welche Stärken habe ich und welche Leidenschaften? Es sind nahrhafte Fragen, die sich nicht immer eindeutig und zeitweilig überhaupt nicht beantworten lassen. Doch wer sich mit ihnen stetig beschäftigt, gelangt immer wieder zu weiterführenden und tragenden Erkenntnissen über sich und sein Umfeld. Lebenslanges Lernen an sich selber ist lebenslange Arbeit mit sich selber, eine labyrinthische Reise, die Geduld verlangt und die verwirrend und befriedigend zugleich ist. Wer sie auf sich nimmt, erlebt viel, wer sie sein lässt, verpasst vielleicht alles.

«Alles beginnt bei mir» ist eine Feststellung und Forderung unserer Unternehmenskultur. So wie wir sind, so wirken wir auf unsere Umgebung und so prägen wir das Unternehmen. Jede Handlung, die wir begehen, ist von uns gezeichnet. Je besser wir uns kennen, desto eher können wir unser Handeln beurteilen und beeinflussen. Eigenverantwortung steht am Anfang unseres Wirkens. Verantwortung können wir nur für Handlungen übernehmen, die wir zu ermessen vermögen; handlungsunfähige Menschen können deshalb nicht in die Pflicht genommen werden. Sich bewusstwerden, wer man ist, und bewusst werden, wer man sein will, ist Voraussetzung für eigenverantwortliches Handeln und die Voraussetzung für ein freies Leben, in dem fremde und selbst auferlegte Zwänge nebensächlich sind. Das Lernen an und mit sich selber ist die Grundlage, um zu wissen, was und wie alles bei mir beginnt, und um authentisch handeln zu können.

Zuerst veröffentlich in: Die Marginalie, Hauszeitschrift der Stämpfli Gruppe Bern. http://www.staempfli.com/fileadmin/redaktion/Marginalie/Marginalie_3_2015.pdf

Über pstaempfli

Unternehmer mit besonderem Interesse für Unternehmenskultur und Unternehmens- und Verbandskommunikation. Mitinhaber von Stämpfli Gruppe Bern: Auch bei Fokus Bern zu finden:
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