«War of Talents» am «Networking-Apéro»

Erschienen in „Die Marginalie“, Nr. 01/2013, Hauszeitschrift der Stämpfli Gruppe Bern 

Englische Ausdrücke und wenig fassbare Wortschöpfungen sind in unseren Breitengraden allerseits beliebt, obwohl die deutsche Sprache reich ist und es für die englischen Worte präzise Übersetzungen gibt. Sie werden besonders gerne benutzt, wenn Sprechende nicht genau wissen, was sie eigentlich sagen oder wenn sie sich modern geben wollen. Auf meiner insgeheim geführten Liste liegen Ausdrücke wie «Gewinnwarnung» (Warnung vor dem Gewinn?), «Antizyklischer Kapitalpuffer» (?), «Intelligente Bomben», «Commitment» (Selbstverpflichtung), «voten» (abstimmen) oder «fooden» (essen) an der Spitze. Dem Schwachsinn zuneigend ist «Networking-Apéro», ein Apéro, an dem es möglich ist, sein Beziehungsnetz zu pflegen. Was sonst?

Sicher gibt es englische Begriffe, für die es keine passenden deutschen Worte gibt, «Management» zum Beispiel, das mit «Führung» nur ungenau übersetzt werden kann. Dann gibt es Ausdrücke, die wir auf Deutsch nie verwenden würden, so «War of Talents» (Krieg der Talente), der seit Jahren herumgeistert und der auf Deutsch beschönigend «Kampf um die Talente» übersetzt wird. Gemeint ist damit die Herausforderung an die Unternehmen, die besten Talente unter den Arbeitskräften gewinnen zu können. Dieser Kampf wird als die grosse Herausforderung unserer Zeit dargestellt, als der Schlüssel zum Überleben, der so bedeutsam sei, dass er nicht ernst genug genommen werden könne. Doch was sagt dieser Begriff wirklich aus, der eigentlich «War for Talents» heissen müsste.

«War» heisst Krieg. Es gibt dafür keine andere Deutung. «War» bedeutet auch für die Englischsprachigen Krieg und Krieg ist Krieg. Krieg hat die Vernichtung des Gegners zum Ziel, das Erringen eines Siegs unter Anwendung von weitreichendster Gewalt. Krieg ist die furchtbarste Form der menschlichen Auseinandersetzung. Es kann nicht sein, dass wir den Begriff «War of Talents» einfach so benutzen, nur im übertragenen Sinn  gemeint. Es gibt meiner Meinung nach keinen übertragenen Sinn für Krieg. Wenn doch, dann werden wir diesen in unserem Unternehmen sicher nicht verwenden, denn wenn wir «Krieg» um Talente führen müssten, würden wir das nicht tun.

Auch in der Stämpfli Gruppe wollen wir die bestmöglichen Mitarbeitenden für uns gewinnen. Das sind Menschen mit den Fachkenntnissen, die wir für die Herausforderungen von heute und morgen benötigen. Und das sind Menschen, die unserer Unternehmenskultur entsprechen, also unseren hohen Anforderungen an Eigenverantwortung, Zusammenarbeit und Gestaltungswille. Solche Menschen kommen nicht zu uns, wenn wir kriegsähnlich um sie kämpfen. Menschen, die mit uns zusammen langfristige Ziele erreichen und deshalb bei uns bleiben wollen, suchen Vertrauen, Respekt, Eigenständigkeit und vor allem Sinn in der Arbeit. Und nicht «Krieg», auch nicht im übertragenen Sinn.

Es lohnt sich, sich für das Detail in der Sprache einzusetzen, wissend, dass man selber nicht davor gefeit ist, manchmal oberflächlich zu sein. Vielleicht könnte man Krieg mit Wettstreit übersetzen, «Competition for Talents»? Aber niemals Krieg. Nie.

 

Über pstaempfli

Unternehmer mit besonderem Interesse für Unternehmenskultur und Unternehmens- und Verbandskommunikation. Mitinhaber von Stämpfli Gruppe Bern: Auch bei Fokus Bern zu finden:
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Eine Antwort zu «War of Talents» am «Networking-Apéro»

  1. Anna Staempfli schreibt:

    wir können nicht zwei unterschiedliche Probleme lösen, entweder wir führen Krieg? oder wir suchen Talente! eine böse Sache gleichzeitig mit einer friedlichen Angelegenheit, ist alleine schon ein Widerspruch. Dasselbe gilt für Networking – Apero, entweder wir essen und plaudern oder wir arbeiten mit Hirn, beides geht nicht Hand in Hand.

    Jedes der unten angeführten seltsamen Wortschöpfungen könnte ich so auseinanderzupfen. Dann müsste auch der Dümmste merken, dass mit bluff/ Angeberei der klingenden Silben wenig Staat zu machen ist. M

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