Randnotiz. Zur Minimallohnforderung

Im Vorfeld des 1. Mai 2013 machen die Gewerkschaften in den Medien klar, dass zig Tausend Lehrabgänger weniger als 4000 CHF Startlohn verdienen. Die Rede war davon, dass dieser Lohn den jungen Erwachsenen zum Leben nicht reiche. Ich habe gedacht, dass dieser Lohn für Alleinerziehende oder Familien zu tief ist, dass aber ein/e 20-Jährige/r damit eigentlich ganz hübsch leben kann. Nachrichten auf Radio SRF am 1. Mai, abends. Ich vernehme, dass Paul Rechsteiner und andere Gewerkschafter forderten, der Minimallohn sei auf mindestens 4000 anzuheben. Rechsteiner ergänzte, dass dies dann endlich auch Druck auf alle anderen Löhne über 4000 machen würde. Am 4. Mai lese ich in «Der Bund» (http://www.derbund.ch/schweiz/standard/Im-Gewerkschaftshotel-verdient-jeder-Fuenfte-unter-4000-Franken/story/15620215), dass 20% der in den Hotels der Gewerkschaften Beschäftigten weniger, teilweise deutlich weniger als 4000 verdienen. Im Bund-Artikel kommen auch die Direktoren dieser Hotels zu Wort. Sie machen klar, dass eine Anhebung der Minimallöhne für ihre Unternehmen schwierig würde, und zwar vor allem im Vergleich zur ausländischen Konkurrenz. Die Aussagen im Bund erinnern mich daran, dass eine Schweizer Gewerkschaft Teile Ihrer Drucksachen im Ausland fertigen lässt, weil es dort billiger sei. Gleichzeit hat dieselbe Gewerkschaft Lohnerhöhung gefordert. Ob all dem geht mir durch den Kopf, dass das Verhalten der Gewerkschaftsverantwortlichen unehrlich ist. Fordern ist einfach, aber die Forderungen selber einhalten scheint nicht wesentlich zu sein. Die Gewerkschaft-Hotels spüren die Wirtschaft, wie sie tatsächlich funktioniert. Die Gewerkschaft-Chefs ganz offensichtlich nicht. Oder es ist ihnen gleichgültig. Ich lehne einen gesetzlich verankerten Minimallohn entschieden ab. Der Eingriff in die unternehmerische Verantwortung ist massiv. Den Unternehmen wird aufgezwungen, Geld nach den Vorstellungen des Staates auszugeben, dem dieses Geld gar nicht gehört. Missbräuche der unternehmerischen Freiheiten lassen sich wesentlich effektiver und effizienter über den Weg der Sozialpartnerschaft regeln, wie das in der Schweiz seit Jahrzehnten ein Erfolgsmodell ist.

Über pstaempfli

Unternehmer mit besonderem Interesse für Unternehmenskultur und Unternehmens- und Verbandskommunikation. Mitinhaber von Stämpfli Gruppe Bern: Auch bei Fokus Bern zu finden:
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5 Antworten zu Randnotiz. Zur Minimallohnforderung

  1. Bernhard Kobel schreibt:

    Wenn die Gewerkschaft aus wirtschaftlichen Gründen nicht einmal in einem Hotel an bester Lage allen Mitarbeitenden einen Lohn von 4’000 Fr. zahlen kann, wie soll das ein anderes Hotel an peripherer Lage (sagen wir mal Emmental) finanzieren, wo die Lebenshaltungskosten viel tiefer sind als in der Stadt? Der Minimallohn ist der falsche Weg: Er vernichtet Arbeitsplätze für Leute, die sonst keine Arbeit finden. Diese Menschen müssen dann über teure, mit Steuergeld finanzierte Sozial- und Integrationsprogramme unterstützt werden.
    Bezüglich Unia-Hotels gehe ich davon aus, dass die letzten bald aus Rentabilitätsgründen verkauft werden: Dann lässt sich wieder unbeschwerter Forderungen stellen und polemisieren.

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  2. pstaempfli schreibt:

    Dahinter steckt eine Denkweise, die wir nicht akzeptieren dürfen: „Geld verteilen, das mir nicht gehört. Und das vielleicht auch gar nicht vorhanden ist. Aber zur Not darf es der Staat richten, dafür ist er ja da.“ Dieses Bild bedeutet: Der Staat sind die anderen. Ich stehe lieber für das Gegenteil ein: Der Staat sind wir! Das Abschieben von Verantwortung auf immer andere kann nicht zielführend sein und ist weder ökologisch, ökonomisch, sozial noch kulturell nachhaltig.

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  3. Franziska Iseli schreibt:

    Ich bin aus ähnlichen Gründen wie Du, Peter, gegen diese Initiative. Beispiele rund um uns herum zeigen, dass alle diese staatlichen Eingriffe in den Arbeitsmarkt nur kontraproduktiv für die Senkung der Arbeitslosigkeit sind. Wieso sollte man ein gut funktionierendes System verändern?

    Allerdings gibt es auch Arbeitgeber, die ihre Leute schamlos ausnutzen. Wenn wie in dem Beispiel, das ich kenne, eine Ladenkette seine Leute auch nach Jahren nicht fest anstellen, sondern auf Abruf halten und Leute mit Führungsverantwortung mit Löhnen abgespeist werden, die sie an der Migroskasse erzielen könnten, dann finde ich das nicht gut. Ebenso wenig das Beispiel, das letzte Woche im Bund zitiert wurde: So gut wie keine Festanstellungen, nicht die ganze Arbeitszeit wird bezahlt.

    Aber mein Ruf geht da nicht an den Staat zur Intervention, sondern an das Gewissen der Arbeitgeber!

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    • André Nussbaumer schreibt:

      einverstanden. Und zusätzlich an das Gewissen von uns als Konsumenten, dass wir Ladenketten ohne Lernende und ohne fest und zu 100 Prozent Angestellte eher meiden.

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  4. Philippe Wampfler schreibt:

    Dass Führungspersonen in Gewerkschaften massiv zu kritisieren sind, wenn sie nicht leben, was sie fordern, ist für mich klar.
    Aber das zeigt nicht notwendigerweise, dass die Forderungen falsch sind. Die Wirtschaft schafft als System Dynamiken, die nicht einfach Naturgesetze sind, sondern auch beeinflusst werden können. Offenbar zahlen wir zu wenig für einen Haarschnitt – und die qualifizierten, hart arbeitenden Angestellten in Coiffeursalons verdienen zu wenig. Zu sagen, sonst wären die halt arbeitslos, ist nicht nur eine ungute Situation mit einer anderen verglichen, sondern Studien aus England zufolge schlicht falsch: Mindestlöhne haben keinen Einfluss auf die Arbeitslosigkeit. Hotels etc. brauchen die Arbeitskräfte, die heute wenig verdienen – sie geben ihnen nicht eine Chance, sondern zahlen ihnen schlicht weniger, als sie verdienen (d.h. welchen Wert sie für ein Unternehmen schaffen).

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