Gemeinschaftssinn

‹Purpose›. Das Modewort ist bei uns angekommen. Ein Unternehmen, das etwas auf sich hat, muss seinen ‹Purpose› nennen, besonders junge Mitarbeitende würden Wert darauflegen. Doch neu ist das nicht. Sinn und Zweck zu kennen, war und ist in jeder Generation Grundlage unternehmerischen Handelns, und nicht nur Junge wollen einer sinnvollen Tätigkeit nachgehen. In unserer Vision beschreiben wir den Sinn des Unternehmens seit Jahrzehnten. ‹Arbeitsort ist Lebensort› und ‹Wirtschaftlich und menschlich erfolgreich sein› sind Grundsätze, die mein Bruder und ich als Eckpfeiler unseres unternehmerischen Handelns bei der Unternehmensübernahme gestellt haben. Dazu gehört ebenso ‹dem Ganzen und den Kunden eigenverantwortlich zu dienen› und jeden Menschen gleichwertig zu behandeln.

Unsere Haltung gründet unter anderem in der Geschichte unseres Familienunternehmens. Die fünf vorausgehenden Generationen prägen uns auf die eine oder andere Weise, auch wenn wir über die zwei ersten Generationen nur wenig wissen. Der frühe Tod der Männer der drei ersten Generationen zwang die Witwen, das Unternehmen weiterzuführen. In einer Zeit, in der Frauen kaum Rechte hatten, war dies schwierig und prägend. Es hat gezeigt, dass bei aller Umsicht Wesentliches unbeeinflussbar bleibt und die Ziele nur zusammen erreicht werden können. Daraus ist Gemeinschaftssinn entstanden, der bei unseren Urgrosseltern gut belegt ist und uns von unseren Eltern in die Wiege gelegt wurde. Unser Selbstverständnis, Mitarbeitende nicht nur als Arbeitskräfte, sondern als Mitmenschen auf einem gemeinsamen Weg zu gemeinsamen Zielen zu sehen, gehört dazu. Natürlich haben unsere Vorfahren für ihre Haltung der jeweiligen Zeit entsprechend andere Worte gefunden. Doch der Sinn war derselbe.

Menschen brauchen eine Gruppe, mit der sie sich identifizieren und in der sie ihre Kompetenzen einbringen können. Sie brauchen eine eigenständige Rolle und Anerkennung. Daraus entsteht Gemeinschaftssinn: Im gemeinsamen Sinn handeln. Die persönliche Rolle der Einzelnen ist dabei entscheidend, denn ‹alles beginnt bei mir›, ein Kernsatz unserer Kultur.  

Der Zusammenhalt, der zum Erreichen der wirtschaftlichen und humanistischen Ziele unabdingbar ist, benötigt mehr als nur Toleranz untereinander. Denn «Toleranz ist nicht mehr als Ablehnung, die durch Respekt gezähmt wird»[1]. Das reicht nicht. Es braucht Anerkennung und die Möglichkeit zur eigenständigen, kompetenten Wirkung. Alle sind bei uns mit den für unsere Unternehmen notwendigen Fähigkeiten willkommen, wobei unsere Unternehmenskultur den Identifikationsrahmen bildet. Sie sind willkommen als Expertinnen und Kollegen, als Mit-Arbeitende und Zusammen-Arbeitende. Alle mit ihren Eigenheiten, mit ihren Erfahrungen und ihrem Können, mit ihren Stärken und Schwächen. Einen solchen Rahmen zu bieten, ist der Grund, weshalb wir Unternehmer sind.

Dieser Text ist zuerst in „Die Marginalie“, Nr. 3/2021, Hauszeitschrift der Stämpfli Gruppe Bern, erschienen.


[1] Prof. Dr. Bernd Simon, Universität Kiel

Über pstaempfli

Unternehmer mit besonderem Interesse für Unternehmenskultur und Unternehmens- und Verbandskommunikation. Mitinhaber von Stämpfli Gruppe Bern: Auch bei Fokus Bern zu finden:
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