Geldwert alleine reicht nicht

Die eigene Wertehaltung ist heute so wichtig wie früher. Sie gibt den verlässlichen Rahmen verbindlichen Handelns. Doch die Werte der „Elite“ und die der breiten Bevölkerung drohen auseinanderzudriften.

Auffallend oft werden namentlich in den Sozialen Medien und in persönlichen Gesprächen Werte angesprochen und hinterfragt. Beklagt wird die mangelnde «Wertehaltung» von Politikern, Managern und anderen Personen der Öffentlichkeit. Mit «Werten» wird meist die verlässliche Haltung, das Rückgrat oder die politische Gesinnung angesprochen, auch das Verhalten von Gruppen. Oft bleiben die Begriffe und die Forderungen vage. Trotzdem zeigt uns die häufige Nennung von Werten einiges über den Zeitgeist.

Wertevorstellungen driften auseinander

Im Laufe der letzten Jahrzehnte sind unserer Gesellschaft Vorbilder weggefallen, an denen die grosse Mehrheit Halt gefunden hat, so die die Regeln der Kirche, die bisweilen gesetzähnliche Meinung der Regierung, die Autorität der Schulen und alltägliche Selbstverständlichkeiten wie Kleider- und andere Verhaltensregeln. Man war gutgläubig und folgte den traditionellen Anforderungen. Dieser Rahmen war verkrustet und mochte mit der sich ändernden Welt nicht Schritt halten. Allerdings benötigen wir alle verlässliche Eckwerte, zwischen denen wir uns bewegen und die die Anderen ebenfalls einhalten. Gerade deshalb sind die Rechtssicherheit, die physische Sicherheit und der Verlass auf die demokratischen Institutionen so bedeutungsvoll. Viele Menschen aber empfinden einen Mangel an verlässlichen gemeinsamen Werten, auf deren Einhalten sie vertrauen können. Dazu trägt die Globalisierung bei, die uns neue Regeln aufzwingt und uns mit Menschen anderer Kulturkreise zusammenbringt. Das einseitig auf Gewinn ausgerichtete Verhalten von medial überbewerteten Konzernmanagern und die zunehmende Achtlosigkeit in der Politik haben wesentlichen Anteil am Auseinanderdriften der «Elite» und der breiten Bevölkerung. Die Zustimmung zur Masseneinwanderungsinitiative, zum Brexit, zu Politikern wie Donald Trump, Marine Le Pen und Organisationen wie der AfD sind Ausdruck, wie stark Bürgerinnen und Bürger das Verhalten der wirtschaftlichen und politischen «Elite» nicht mehr akzeptieren und die Veränderungen als bedrohend empfinden. Unterschiedliche Wertvorstellungen prallen aufeinander. Wenn Konzerne ihre Gewinne solange verschieben, bis sie kaum noch Steuern bezahlen müssen, wenn Bankenmanager akrobatisch hohe Saläre einstreichen und gleichzeitig damit rechnen, ihre Unternehmen notfalls durch den Staat retten zu können, wenn, wie in Deutschland, bei wirtschaftlicher Hochkonjunktur Schulgebäude nahe am Zerfall sind: Dann fühlen sich Massen von Einkommensabhängigen nicht mehr verstanden; so auch ich.

Die Wirtschaft trägt Mitverantwortung

Wir haben in der Stämpfli Gruppe ein anderes Verständnis von Macht, Eigenverantwortung und Mitverantwortung für die Gesellschaft; eine Mitverantwortung, der sich die Wirtschaftsvertreter zu häufig entziehen.

Die Wirtschaft ist Teil der Gesellschaft und ihr gegenüber mitverantwortlich. Die Unternehmen profitieren von der Rechtssicherheit, der Ausbildung und der Infrastruktur. Unternehmer und Manager müssen die Gesellschaft entsprechend unterstützen, wobei Steuern bezahlen alleine nicht ausreicht. Daher dienen uns die Grundsätze «Wir sind Teil des Ganzen» und «Wir dienen dem Ganzen» als Basis unserer Unternehmenskultur .

Werte sind Massstäbe, anhand derer wir unser Verhalten und das Anderer beurteilen. Wer gemeinsame Ziele erreichen will, wird dies nur mit Menschen tun können, die die Zusammenarbeit und die Ziele nach demselben Wertmassstab beurteilen. Denn wenn schon die Werte nicht übereinstimmen, wie soll dann gemeinsam gehandelt werden?
Die in unseren Unternehmen wichtigen Werte sind beschrieben und dienen als verbindliche Eckpunkte eines weiten Feldes, auf dem die Mitarbeitenden grosse Freiheiten nutzen können und müssen. Die Wertmassstäbe verändern sich im Laufe der Zeit; sie müssen immer wieder besprochen werden. In der Stämpfli Gruppe ist diese Diskussion fester Bestandteil der Unternehmenskultur (Link siehe unten).

Werte als Bemessungsgrundlage

Eigenverantwortung und Respekt sind für uns die bedeutendsten Werte. Eigenverantwortung findet in der Feststellung «Alles beginnt bei mir» konkreten Ausdruck. So wie ich bin, und so wie ich handle, präge ich meine Umgebung. Wer sich hinter anderen versteckt und Verantwortung abschiebt, wird bei uns keine interessanten Arbeiten übernehmen können.

Respekt ist die Grundlage unseres Menschenbildes: Jeder Mensch ist unabhängig seiner Funktion im Unternehmen und seiner Rolle in der Gesellschaft gleichwertig. Wir arbeiten «auf gleicher Augenhöhe» zusammen. Wer seine Macht (Kompetenzen) ausnutzt, widerspricht unserem Menschenbild.

Die in der Unternehmenskultur verankerten Werte gilt es täglich zu leben und zu bestätigen. Wir sind ganze Menschen und unseren Werten gleichermassen im Privaten wie im Beruflichen verpflichtet. Daran und an unserem Grundsatz «Wir sind Teil des Ganzen und dienen ihm» lassen wir uns messen.

Interessante Aussagen zur Wertehaltung finden Sie in einem Videobeitrag der Berner Kantonalbank: https://flash.bekb.ch/0117. Uns freut, dass dieses Thema durch Stämpfli Kommunikation, unsere Kommunikationsagentur, erarbeitet und umgesetzt werden konnte.
Die Unternehmenskultur der Stämpfli Gruppe finden Sie hier: http://www.staempfli.com/fileadmin/redaktion/Staempfli_Broschueren/Unternehmenskultur_Web_de.pdf

Über pstaempfli

Unternehmer mit besonderem Interesse für Unternehmenskultur und Unternehmens- und Verbandskommunikation. Mitinhaber von Stämpfli Gruppe Bern: Auch bei Fokus Bern zu finden:
Dieser Beitrag wurde unter Gesellschaft und Staat, Politik, Strategie, Unternehmensführung, Unternehmenskultur, Verantwortung, Werte, Wirtschaft abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Geldwert alleine reicht nicht

  1. Thomas Verasani schreibt:

    Interessanter Artikel.

    Die Frage, welches Menschenbild wir haben und welches Menschenbild wir brauchen wird in zahlreichen Vorträgen von Prof. Dr. Gunther Dueck thematisiert. Dabei orientiert er sich am Buch „Spiral Dynamics“ (ISBN 978-94-013-0141-1) und interpretiert dies für das aktuelle Umfeld, Industrialisierung 4.0 und Innovation neu.

    Ich behaupte: Wir brauchen alle Menschenbilder. Diese sind je nach Umfeld richtig oder zumindest eine Grundlage für die nächsten Weiterentwicklungsschritte.

    Ihre beschriebenen Beispiele sind in der heutigen, sehr komplexen Welt, welche vielen Änderungen unterworfen sind, nicht einfach. Der Eine verfolgt das Ziel der Wiederwahl. Der Andere macht mit den Problemen in unserer Welt schlicht Politik. Anstatt die Probleme offen anzusprechen, überlassen wir Scheinlösungen einigen Wenigen (Polarisierung). Wir leben in einer sehr spannenden Welt, aber die Veränderungen bringen viel Verunsicherung. Anstatt darüber zu reden, überlassen wir das Feld den „Lauten“.

    Mir fällt weiter auf, dass wir auf die Eliten nur rumhacken und uns deren Leistung für die Gesellschaft nicht bewusst sind. Sicher: Wir müssen zwischen „Manager“ (Verwalter) und Unternehmer unterscheiden. Zahlt ein Unternehmer zwecks Weiterentwicklung der Firma kaum oder keine Steuern, stört mich das als Steuerzahler nicht. Schliesslich schafft er Werte oder versucht es, solche zu schaffen (Unternehmerisches Risiko). Niemand redet über die damit verbundenen Opfer. Das ist für Aussenstehende nicht sichtbar; wir neigen dazu bei Erfolg mit Neid zu beantworten (anstatt mit Respekt).

    Respekt und Selbstverantwortung sind sehr wichtige Werte. Wenn ich das referenzierte Leitbild als Aussenstehender lese, interpretiere ich folgende Zielsetzung der Organisation:

    – Akzeptanz der anderen und persönliches Wachstum.

    Wenn ich das richtig interpretiere, gibt es in Ihrer Organisation sehr viel Harmonie. Da stellt sich mir die Frage: Gibt es eine respektvolle „Streitkultur“ in solchen Organisationen oder neigt man eher dazu, zugunsten der Harmonie auf Diskussionen zu verzichten?

    Und da sind wir bei den Fragen aller Fragen:
    Welche Zukunft wollen wir und was sind wir bereit dafür zu leisten?

    Gefällt mir

    • pstaempfli schreibt:

      Die Streitkultur besteht in gesundem Masse. Offenheit und damit das Ansprechen von Problemen und Konflikten sind uns sehr wichtig. Wir sind uns nicht immer einige über konkrete Massnahmen, aber einige über die Werte, aufgrund derer wir zusammenarbeiten.

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s