Kultur und Wirtschaft

Erschienen als Kolumne in der Berner Zeitung, 22.09.2012

Der Glaube an die Vormachtstellung der Ökonomie in der Gesellschaft fand in den 90er-Jahren den Durchbruch. Die finanzielle Rendite wurde zum vorherrschenden Massstab. Dieses Paradigma ist falsch. Gewinnorientiertes Handeln ist nicht das einzig Erfolg bringende, allerdings ist es für das Überleben eines Unternehmens unerlässlich. Was oft verwechselt wird: Gewinnorientierung und gutes Management sind nicht dasselbe. Die Grundsätze des Managements (Führung) gelten für alle Organisationen, also sowohl für Unternehmen wie auch für NGO, Vereine, Schulen und die Verwaltung. Ergänzend dazu sucht gewinnorientiertes Handeln den finanziellen Profit. Der Staat, die Schulen, kulturelle und soziale Institutionen müssen allerdings im Gegensatz zu Unternehmen nicht profitorientiert arbeiten, was sie nicht davon entbindet, mit dem Geld haushälterisch umzugehen.

Der Kern guten Managements ist die Resultatorientierung. Das Resultat, das eine Kulturinstitution erreichen muss, wird an der künstlerischen Leistung gemessen, an der Qualität von Ausstellungen und Aufführungen sowie an der Vermittlung von Kultur. Gemessen wird zudem, ob uns unbekannte, allenfalls neue kulturelle Leistungen so dargestellt werden, dass wir uns an ihnen reiben und weiterentwickeln können. Darüber hinaus von einer Kulturinstitution finanziellen Gewinn zu verlangen, zwingt diese zur Ausrichtung des Programms auf möglichst viele zahlende Besucher. Tut sie dies, wird Kultur zum Wirtschaftsunternehmen. Die Erfahrung lehrt, dass die Bevölkerung nur bereit ist, lediglich für populäre Kultur den Preis zu bezahlen, der einer Institution die finanzielle Eigenständigkeit erlaubt. Solches wird von einigen bürgerlichen Politikern immer wieder gefordert, mit dem Hinweis, dass Kultur, die nicht genügend nachgefragt wird, keine Berechtigung auf staatliche Unterstützung hat. Dieses Ansinnen ist falsch, wäre dies der Massstab, bekämen wir nur noch Mainstream zu sehen, was uns die privaten Fernsehsender in grotesker Ausprägung vorführen.

Kultur ist mehr als Unterhaltung. Sie ist einer der gesellschaftlichen Kerne, an denen wir den Blick schärfen, Haltungen hinterfragen und neue Erkenntnisse gewinnen, uns auch entspannen können. Eine Gesellschaft mit ausschliesslich privat finanzierten Kulturinstitutionen läuft Gefahr, von Vermögenden vereinnahmt zu werden, die, handeln sie nicht uneigennützig, das Programm bestimmen können – auch politisch. Das widerspricht einer liberalen Gesellschaftsordnung, die dafür einsteht, dass der Staat (Der Staat sind wir!) einen Rahmen finanziert, in dem die Kulturschaffenden politisch und künstlerisch unabhängig arbeiten können. Das Berner Modell der Leistungsverträge ist dafür ein Vorbild, es vereint künstlerische Freiheit im Rahmen staatlicher Vorgaben.

Kern des kulturellen Lebens ist die künstlerische Freiheit, die sich in einer hochzivilisierten Welt offen entfalten kann – und befreit ist, finanziellen Gewinn machen zu müssen. Aus eigenem Erleben und aus Studien wissen wir, dass ein reiches, künstlerisch unabhängiges Kulturangebot die Attraktivität eines Wirtschaftsstandorts massgebend mitprägt. Darin liegt der Grund, weshalb wir uns mit unserem Unternehmen, und ich mich persönlich, für die Kultur in Bern engagieren. «Der Lohn», den wir dafür erhalten, sind Aufführungen, Ausstellungen und Begegnungen, die uns bereichern.

Veröffentlicht unter Gesellschaft und Staat, Kanton Bern, Kolumnen BZ, Kultur und Kulturpolitik | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | 5 Kommentare

Annäherung an Auschwitz/Birkenau

Erschienen in «Die Marginalie», Hauszeitschrift der Stämpfli Gruppe Bern, Nr. 1/2009

Leon Uris’ Roman ‹QB VII› habe ich als Jugendlicher gelesen, zu früh, als dass ich die Schilderungen hätte einordnen können. Das Buch hinterliess Verletzungen, die mich über Jahre daran hinderten, mich mit dem Holocaust und den Nationalsozialisten ernsthaft auseinanderzusetzen. Der Zufall spielte mir dann vor einigen Jahren ‹Der Tote im Bunker. Bericht über meinen Vater› von Martin Pollack in die Finger; mit ihm gelang mir die von nun an gezielte Erarbeitung der genannten Themen und ermöglichten die Auseinandersetzung mit der jüngeren Geschichte Polens, besonders dem Leben und Sterben im Warschauer Ghetto.

Auschwitz war mir als Wort und Ort des Grauens seit meiner Kindheit bekannt, doch in den Schulklassen, die ich besuchte, wurde die Geschichte ab 1933 ausgeblendet; die Beweggründe, das detailliert geplante Vorgehen und der Umfang des Vernichtungsplans und dessen Umsetzung und selbst die geografische Lage im heutigen Südpolen waren mir nur oberflächlich bekannt. Nach der erstmaligen Besichtigung des ‹Umschlagplatzes› in Warschau, wo die SS weit über 300’000 Juden in die Eisenbahnwagen zum Abtransport in die KZ verfrachtet haben, wurde mir bewusst, dass ich den Besuch in Auschwitz nicht länger verdrängen konnte. Doch Angst vor der Konfrontation mit dem, was dort dokumentiert sein musste, zwang mich, mich in einem langen Prozess darauf vorzubereiten. Autobiografische Erzählungen wie die von Primo Levy (1) und Imre Kertesz sowie literarische Abrechnungen und Recherchen der Nachkommen von Nazigrössen, wie Niklas Frank, jüngster Sohn des NS-Generalgouverneurs von Polen, oder Katrin Himmler, der Grossnichte Heinrich Himmlers, dienten mir neben der Fachliteratur als wichtige Orientierungspunkte. So gerüstet, besuchte ich im Sommer 2008 zusammen mit meiner Frau und Freunden Auschwitz und Birkenau.

Die Vorbereitung war entscheidend. Plötzlich steht man auf einem grossen Parkplatz, vor einem Museumseingang, in dicht gedrängten Menschenmassen, die sich in die heutige Leere des KZ ergiessen, recht ruhig und geordnet zwar, aber irgendwie zu einfach. Die Backsteingebäude in Auschwitz und die in Birkenau weitgehend zerstörten Anlagen lassen sich vor Ort und ohne vorherige Auseinandersetzung nur teilweise einordnen. Eine gewisse Harmlosigkeit überkäme einen wohl, wenn nicht im Kopf die erzählten Erlebnisse der Überlebenden, die Fakten zur Maschinerie der Judenvernichtung und der Zynismus der Nazi aufscheinen würden und dem Bild vor Ort jede Oberflächlichkeit nähme. Ich war dankbar für jede Zeile Text, mit der ich mich auseinandergesetzt hatte. Glücklicherweise hatten wir eine Führung gebucht, eine ausgezeichnet Deutsch sprechende Polin nahm sich mehrer Stunden Zeit, um uns gekonnt durch diese Welt zu führen, die in Worten kaum zu fassen ist.

Auschwitz und das wenige Kilometer entfernte Birkenau zeigen den Wahnsinn der Nazi bereits in der geografischen und architektonischen Anlage. Hier Auschwitz I, älter und enger, ehemalige Kasernenanlage, die umgebaut und ausgebaut wurde, fast mitten in der damaligen deutschen Musterstadt Auschwitz (polnisch: Oświęcim) gelegen, dort Birkenau, als Steigerung zu Auschwitz als industrielle Vernichtungsanlage geplant, gebaut und benutzt, deutlich ausserhalb der Stadt, auf weitem, freiem Feld, riesig, knapp fassbar in den Ausmassen, unfassbar riesig in der Bedeutung.

Die Eindrücke wirken in mir Tage und Monate nach dem Besuch intensiver nach, als unmittelbar vor Ort. Mich beschäftigt diese Sprachlosigkeit, die Unmöglichkeit, die Eindrücke zu beschreiben, oder dann nur in Hinweisen, einzelnen andeutenden Details. Ich wurde von einem Bekannten gefragt, ob sich die Reise nach Auschwitz gelohnt habe. Das ist die falsche Frage in guter Absicht. Die lange Vorbereitung hat sich gelohnt. Der Besuch selber war unabdingbar und wichtig. Ich muss sehen, um zu begreifen, selbst wenn mir Begreifen in Auschwitz und Birkenau nicht möglich war.

Es ist zwingend, sich für den Besuch und die Auseinandersetzung vor Ort Zeit zu nehmen, zumindest einen ganzen Tag ohne zusätzliche Programmpunkte; auch wenn lokale Reisebüros schnellere Führungen anbieten und Auschwitz auf nicht nachvollziehbare Weise zur touristischen Attraktion zu verkommen droht. Der Besuch der Gedenkstätten kann mit einer Städtereise zu dem 70 km östlich liegenden Krakau verbunden werden. Nach dem anforderungsreichen Tag kann die Seele in der schönen, jugendlichen und lebendigen Altstadt entspannen und ruhig durchatmen.

(1) Primo Levy, ‹Ist das ein Mensch?› / Imre Kertesz, ‹Roman eines Schicksallosen› / Niklas Frank, ‹Der Vater› / Katrin Himmler, ‹Die Brüder Himmler› / Sybille Steinbacher, ‹Auschwitz. Geschichte und Nachgeschichte›

 

Veröffentlicht unter Marginalie Leitartikel | Hinterlasse einen Kommentar

44% sind nicht genug

Erschienen als Kolumne in «Berner Zeitung», 4. August 2012, Seite 15 

Können Sie sich vorstellen, dass die Schweiz in wenigen Jahren keine direkte Demokratie mehr ist? Nichts ist unmöglich, wenn wir unachtsam sind. Es gilt zu verhindern, dass wir unsere erworbenen Rechte  aushöhlen, so wie dies nach 9/11 aus echter oder angeblicher Sorge um die Sicherheit weltweit geschehen ist oder wie dies in Deutschland in der Diskussion über die mangelnde Mitbestimmung des Parlaments zu den Euro-Rettungsmassnahmen zum Ausdruck kommt.

Die Schweiz als Demokratie ist uns vertraut, vieles ist selbstverständlich. In der Regel erhalten wir die Leistungen von den Behörden verlässlich. Wir haben ein Rechtssystem, in dem Willkür kaum Platz findet, wir leben in einer Wirtschaft, in der Korruption wenig verbreitet ist, und es gibt einen ausgeprägten Willen, sie zu bekämpfen. Wer beruflich im Ausland zu tun hat, weiss, wie wenig selbstverständlich dies ist. Wir können sicher sein, dass keine Machthaber uns missbrauchen und verfolgen. Doch, wer sichert uns zu, dass das so bleibt?

Nur wir Bürgerinnen und Bürger können dies absichern, indem wir uns mit Offenheit für Neues und Achtung für das Erreichte für unsere Rechte einsetzen und an diesem Staat aktiv weiterbauen, vorwärtsgerichtet, nicht wie die AUNS im Gestern verharrend. Eines der wichtigsten Instrumente sind die Volksabstimmungen, bei denen wir wie keine andere Bevölkerung unseren Willen ausdrücken können. Die durchschnittliche Stimmbeteiligung von 1991 bis 2010 lag jedoch bei nur 44%, mehr als die Hälfte der Stimmberechtigten fand es unnötig, an die Urne zu gehen. Oft gehörte Argumente sind: «Ich ändere ja doch nichts» oder «Die Resultate sind immer anders, als ich will». Das sind dumme Aussagen. Beim Wort genommen bedeuten sie, dass es nur dann Sinn ergibt, an den Abstimmungen teilzunehmen, wenn «ich» Recht erhalte, wenn die Abstimmung immer so herauskommt, wie «ich» es will. Das ist nur in einer Diktatur der Fall und auch nur dann, wenn «ich» der Diktator bin. Demokratie sieht anders aus. Die genannten Argumente verschleiern die Ignoranz der Sprechenden.

Es ist wie in der Ehe. Sie lebt nur, wenn sie von Zeit zu Zeit hinterfragt, überdacht und erneuert wird, wenn das Zusammensein nicht einfach als selbstverständlich und als gesichert angesehen wird. Die Historiker zeigen uns, dass Geschichte in Bewegung ist. Die Schweiz, unser Kanton und unsere Gemeinden entwickeln sich weiter, ob wir dafür etwas tun oder nicht. Wenn wir nichts tun, bestimmen andere über die Entwicklung. Wir haben keine Garantie dafür, in 20 oder 50 Jahren immer noch in einer Demokratie zu leben, unabhängig das reichste Land der Welt zu sein und ein im weltweiten Vergleich herausragendes Ausbildungssystem zu haben. Wir haben keine Garantie, dass die Daten, die heute über uns gespeichert werden (Google, Facebook, Handy-Daten, biometrische Werte etc.), sich morgen nicht gegen uns richten.

Freiheit und Wohlstand schützen sich nicht selber. Wir leben nicht in einem Perpetuum mobile, das ohne Zutun von allein funktioniert. Wie in jedes System, muss auch in unseres immer und immer wieder Energie gesteckt werden. Dauernd gilt es, das Erreichte zu hinterfragen, zu entscheiden, wie unsere Zukunft aussehen soll, und zu handeln. Abstimmen und Wählen ist das Minimum, das wir zugunsten unseres Staates erbringen müssen. Mehr als die Hälfte der Schweizerinnen und Schweizer sind dazu nicht bereit. Diese Gleichgültigkeit ist schädigend.

 

Veröffentlicht unter Gesellschaft und Staat, Kolumnen BZ | 1 Kommentar

Facebook & Co., ein Artikel für Social-Media-Verweigerer

Leitartikel in “Die Marginalie”, Hauszeitschrift Stämpfli Gruppe, Nr. 2/2012. www.staempfli.com

Das ist ein Artikel für Social Media-Abstinente, geschrieben von einem 52-jährigen Vater dreier Kinder im Alter von 20, 18 und 15. «Habe via Facebook unserer Kinder gesehen, dass wir schon auf Deiner Seite sind. Danke.» Via Facebook der Kinder? Es fällt mir auf, wie viele Gleichaltrige sich mit Social Media, also Facebook, Twitter, YouTube etc., kaum auseinandersetzen. «Ich schon,» meinte kürzlich ein Mutter, «ich habe mich auf Facebook angemeldet, doch da werde ich sicher nichts hinschreiben, man weiss ja nie. Aber so kann ich sehen, was meine Töchter bewegt.» Das kommt mir vor, wie wenn jemand ein Auto kauft, ohne es fahren zu wollen.

Dank Twitter und Facebook, den Plattformen, die ich am häufigsten benutze, bin ich in politische Diskussionen eingebunden, die mir eine Bereicherung sind und durch die ich andere Haltungen besser verstehen lerne. Ich bin mit Politikern verbunden, die ich persönlich sonst kaum getroffen hätte. Ich kenne nicht alle meine «Freunde» persönlich und bin schon gar nicht mit allen einverstanden, aber ich lese ihre Meinungen und tausche mich mit ihnen aus. Durch die regelmässige Nutzung der Plattformen bin ich zu neuen Kontakten mit Journalisten gekommen, die ich später zum Gespräch getroffen habe. Ich konnte Beziehungen zu Kunden vertiefen, weil wir uns mit unserer persönlichen Meinung auf Facebook und Twitter begegnet sind. Auf Twitter erhalte ich die Breaking-News von den nationalen und internationalen Medien, die ich verfolgen will, vom «Bund» bis zur «Washington Post». Erstaunlich auch, wie viele gesellschaftlich relevante Themen auf Twitter angesprochen werden und ethisches Verhalten angemahnt wird. Bemerkenswert ist, dass ich nur mit einem unserer Kinder auf Facebook verbunden bin, die beiden anderen wollen mich nicht in Ihre Social-Media-Welt eintauchen lassen – gut so, sie sind wählerisch und wissen sich abzugrenzen. Nie hatte und habe ich das Gefühl, die Kommunikation über Social Media ersetze das persönliche Gespräch. Im Gegenteil ist sie ergänzend, bereichernd und oft Ausgangspunkt für mündliche Diskussionen.

Man mag über Social Media denken, was man will. Ob sich die heutigen Formen halten werden, weiss niemand. Der Nutzen lässt sich in Franken kaum bemessen, vieles ist Hype, viele Inhalte sind Quatsch – aber nicht alle. Fakt ist jedoch: Die Art der Kommunikation hat sich durch die mobilen Geräte und durch Social Media massiv verändert, sicher bei denen unter 30. Unsere junge Generation tauscht sich multimedial aus, ist auf verschiedenen Kanälen aktiv. Dabei ist wesentlich, dass die Digital Natives dies in einer Selbstverständlichkeit tun, die klar macht, dass sich das Rad auch in diesem Fall nicht zurückdrehen lässt. Ihnen sind Vernetzung, Gedankenaustausch und das Aufeinander-Zugehen selbstverständlicher als dies meiner Generation in die Wiege gelegt wurde. Wer sich dieser Selbstverständlichkeit, dieser vielschichtigen Kommunikationsformen verschliesst, wird über kurz oder lang feststellen, dass er mit seinen Kindern und Enkelkindern nur noch eingeschränkt kommunizieren kann. Es ist wie mit denjenigen, deren Gehör nachlässt: Wer sich zu spät eine Hörhilfe zulegt, wird einmal nicht mehr in der Lage sein, sich an Gesprächen zu beteiligen. Es lohnt sich, sich mit Social Media persönlich und aktiv auseinanderzusetzen und mitzumachen. Nicht weil dies unbedingt ein Vergnügen sein muss, sondern um zu begreifen, wie die vernetzte Kommunikation uns alle beeinflusst.

Veröffentlicht unter Marginalie Leitartikel | 1 Kommentar

«Fokus Bern. Unternehmen für Bern» (Interview)

Erschienen als „Samstagsinterview“ in „Der Bund“, 16. Juni 2012, Seiten 2/3.
Interview von Rudolf Burger, Der Bund, mit Peter Stämpfli

Rudolf Burger: In den Unterlagen zu «Fokus Bern» heisst es, Bern sei «ein Kanton mit Unternehmergeist». Wie kommen Sie zu diesem Befund?

Peter Stämpfli: Bern ist immerhin der grösste Industrie- und Maschinenbaustandort der Schweiz. Beim Swiss Economic Forum, das letzte Woche durchgeführt wurde, stammten zwei von drei ausgezeichneten Jungunternehmern aus dem Kanton Bern.

Ist der Kanton Bern wirklich der grösste Industriestandort? Nicht etwa Baden im Aargau mit ABB und vielen anderen Unternehmen?

Gemäss Informationen des Kantons Bern gibt es keinen anderen Kanton mit so vielen Arbeitsplätzen in der Industrie.

Das Image Kantons ist ein anderes: Bern gilt als schwerfälliger Kanton mit vielen Beamten.

Wir sind ein Beamtenkanton, wir haben die Verwaltungen von Bund, Kanton und Stadt. Daran kann ich nichts Schlechtes finden. Aber im Kanton Bern gibt es wesentlich mehr.

In einem Standort mit so vielen Verwaltungen fehlt es an Dynamik.

Falsch! Ich empfinde Verwaltungen nicht als undynamisch. Zudem gibt es im Kanton Bern wie gesagt die Industrie, die Dienstleistungen, den Tourismus. Überall sehe ich viel Dynamik.

Auch in der Landwirtschaft? Bern ist der grösste Landwirtschaftskanton.

Es gibt einige Landwirte, die sich als Unternehmer verstehen. Das Unternehmen Jumi, das Käse- und Fleischspezialitäten produziert und beim Swiss Economic Forum ausgezeichnet wurde, hat ein Bauer gegründet.

Eine starke Landwirtschaft gilt oft eher als Klotz am Bein.

Das ist der falsche Blickwinkel. Die Vielfalt im Kanton Bern zeichnet uns aus, ist ein Reichtum, den wir als Chance und nicht als Nachteil nutzen können.

Seit Anfang Jahr gibt es die Organisation «Fokus Bern». Was will sie?

Das Image des Kantons verbessern, in der Innen- wie der Aussensicht. Der Kanton hat viel mehr zu bieten und ist positiver, als er dargestellt wird. Wir wollen zeigen, dass viele Unternehmen hinter diesem Wirtschaftsstandort stehen, und zwar nicht nur, weil sie zufällig hier sind, sondern weil sie an ihn glauben.

Einige Unternehmen haben in jüngster Zeit diesen Standort Bern aber auch verlassen. 

Einige sind auch gekommen, und vor allem sind sehr viele geblieben. Das Reiseunternehmen Globetrotter etwa hätte auch nach Zug ziehen können, kommt aber mit all seinen Firmen nach Bern. Dass Novartis und andere den Kanton verlassen, musste im Rahmen der Konzernstrategien erwartet werden.

«Kräfte und Potenziale bündeln», liest man in Ihren Unterlagen – tönt gut, aber was geschieht da konkret?

Andere Standorte leben von einem bestimmten Wirtschaftszweig, etwa den Finanzen oder der Chemie. Der Kanton Bern lebt von der Vielfalt. Kräfte bündeln heisst diese Vielfalt sichtbar machen, sie als Chance nutzen. Wenn man die Vielfalt zu einem gemeinsamen Auftritt bündeln kann, gibt es neue Chancen.

Von der Finma, der Finanzmarktaufsicht, wird gerade diese Woche gemeldet, dass sie sich einen Umzug von Bern nach Zürich überlege.

Offenbar geht es bei der FINMA eher um den Wunsch ihres Chefs, nach Zürich umziehen . Die politischen Weichen sind anders gestellt. Die natürliche Distanz zum Finanzplatz Zürich ist für die neutrale FINMA ein Vorteil.

SBB Cargo macht viele Bahnhöfe zu. Bern wird am härtesten getroffen, 32 von 82 Standorten, die aufgegeben werden, sind im Kanton Bern. Das spricht auch nicht für eine besondere wirtschaftliche Dynamik. 

Herr Burger, Sie wiedergeben die übliche Darstellung. Bern hat viele verschiedene Gebiete. Die Region um die Stadt ist im schweizweiten Vergleich der drittstärkste Wirtschaftsstandort. Im eidgenössischen Finanzausgleich wäre diese Region ein Nettozahler. Aber wir haben auch das Oberland, fünfmal so gross wie Uri, das Emmental, das Gantrischgebiet. Sie alle sind strukturschwächer, haben aber andere grosse Vorteile. Über alles gesehen hat Bern aber wirtschaftliche Nachteile gegenüber anderen Kantonen.

Das ist die übliche Erklärung zur Begründung, wieso der Kanton eine Milliarde aus dem eidgenössischen Finanzausgleich bezieht. 

Wenn wir den Steuerwettbewerb unter den Kantonen wollen, ist der Finanzausgleich das Pendant dazu. Irgendwo befinden sich die strukturschwächeren Gebiete, Bern hat davon prozentual mehr als andere Kantone.

Bei der Einkommenssteuer liegt der Kanton Bern auf Rang 20. «Fokus Bern» will das offenbar verbessern.

Die Einkommenssteuern sind der grosse Nachteil dieses Kantons. Das wollen wir verbessern, aber nicht einfach mit einer blinden Steuersenkungsforderung. Unser Grundsatz ist: Dort, wo Steuersenkungen machbar sind, müssen sie kompensiert werden.

Sie nennen das «budgetneutral». Dem Staat sollen also keine Einnahmen entgehen?

Mittel- und langfristig gesehen nicht. Eine Steuersenkung muss dazu führen, dass sich mehr Firmen und Personen im Kanton Bern ansiedeln. Für Kosteneinsparungen gibt es Raum, aber nicht so viel, dass wir beim Steuervergleich in der Schweiz plötzlich vorne dabei wären. Man kann nicht blind Steuersenkungen fordern ohne zu sagen, wo und wie das gemacht werden kann.

Werden Sie sich bei der Motorfahrzeugsteuer also für die Version entscheiden, die dem Kanton weniger Einnahmen entzieht?

Ja. Ich halte den Volksvorschlag für falsch. Es gäbe massive Steuerausfälle, die aber niemand merken würde. Nur wegen der stark reduzierten Motorfahrzeugsteuer käme kein Unternehmen, keine Person zusätzlich in den Kanton Bern.

Es gibt aber immer wieder Unternehmen, die darüber klagen, wegen der Steuersituation sei es schwierig, gute Leute zu rekrutieren. 

Diese Sorge teilen wir. Sie Höhe der Steuern sind ein grosser Hinderungsgrund, nach Bern zu ziehen und tragen zum schlechten Image bei. Ich habe mit jemandem geredet, der von St. Gallen nach Bern kam und nach dem Steuerbescheid mehr als nur leer schluckte. Viele Unternehmer sagen mir aber auch, die Steuern nähmen sie in Kauf, stören sich aber am Image Bern. Wer aber länger hier lebt, will nicht mehr weg. Diese Diskrepanz möchten wir auflösen.

Sie wollen ein «innovatives Steuersystem». Wie sähe das aus? 

Wir wollen die Unternehmenssteuern senken und so neue Firmen und damit auch Einwohner anziehen.

Bei den Unternehmenssteuern steht der Kanton vergleichsweise gut da. 

Er könnte aber noch besser werden, ohne dass die Steuerausfälle für den Kanton dramatisch wären. Unternehmenssteuern machen im Budget des Kantons nur zehn Prozent aus.

Redet da Unternehmer Stämpfli auch aus Eigeninteresse?

Nein. Unsere Unternehmung ist kein sehr guter Steuerzahler. Wir arbeiten in einer investitionsintensiven Branche.

Der bernische Handels und Industrieverein HIV klagt über die steigende Staatsquote im Kanton Bern: 2006 lag sie bei 18,3 Prozent, 2011 bei 20,1 Prozent. Das ist eine happige Steigerung. Stört Sie das nicht? 

Doch, die Staatsquote darf nicht mehr steigen. Sie ist aber auch gestiegen, weil der Kanton von den Gemeinden mehr Aufgaben übernommen hat.

Es gehört auch zum Standardrepertoir bürgerlicher Parteien, weniger Staatausgaben und Steuersenkungen verlangen. In diesen Chor stimmen Sie offenbar nicht ein.

Ich sehe das differenzierter. Wir glauben auch, dass es bei den Staatsausgaben Spielräume gibt. Nur: Der Kanton hat hartnäckige Strukturprobleme, aber auch ein paar hausgemachte, die nicht mit simplen Forderungen zu lösen sind.

Bernische Unternehmer kritisieren häufig auch die rot-grünen Regierung in Stadt und Kanton. Sie nicht?

Ich nicht. Natürlich gibt es ideologische Differenzen, Entscheide, die ich anders fällen würde, aber wenn ich über den Einsatz der rot-grünen Regierungen in Stadt und Kanton für die Wirtschaft urteile, sind diese Regierungen sicher nicht schlechter als es die bürgerlichen waren, vielleicht auch nicht in allen Punkten besser. Unser Unternehmen erhält die Unterstützung, die  es braucht auch von rot-grünen Regierungen.

Gerade die Verkehrspolitik in der Stadt Bern, die Pollern-Politik, wird aber von Gewerbe häufig beklagt. 

Das ist für das Gewerbe eine Schwierigkeit. Das hätte eine bürgerliche Regierung anders gelöst. In der Gesamtwirkung ist die Dynamik bei der rot-grünen Regierung Stadtregierung aber grösser, als ich sei bei der bürgerlichen erlebt habe.

Sie sind aus der FDP ausgetreten. Wurden Sie als Unternehmer zu wenig unterstützt? 

Nein. Ich bin aus anderen Gründen aus der FDP ausgetreten. Doch die FDP steht mir nach wie vor von allen Parteien am nächsten, aber ich geniesse meine Unabhängigkeit als freisinnig denkender Unternehmer.

Es gibt bei «Fokus Bern» noch ein weiteres Projekt im Sozialwesen. Was sollte da getan werden?

Ein Stichwort dazu sind etwa minderjährige und junge Mütter. Da muss dafür gesorgt werden, dass sie eine Grundausbildung machen können. Das wollen wir in einem Projekt prüfen, zusammen mit dem Kanton. Überhaupt gilt für «Fokus Bern», dass wir kein elitärer Unternehmerklub sind. Wir suchen die Zusammenarbeit mit allen, besonders auch mit der Regierung.

Mit Regierungsrat Rickenbacher?

Ja, er ist in unser Projekt involviert. Regierungssprecher Christian Kräuchi ist Beisitzer in unserer Steuergruppe. Wir suchen zudem enge Kontakte zu den Wirtschaftsverbänden und weiteren Gruppierungen.

Eine Initiative wie «Fokus Bern» hätte man eigentlich eher aus dem HIV erwartet. 

Das wäre sicher auch möglich gewesen. Wir haben einen guten Kontakt zum neuen Präsidenten, Bernhard Ludwig, der uns Unterstützung zugesagt hat. Wir sind zur Zeit über 40 Unternehmer, die handeln, nicht länger zuwarten wollen.

Konkurrenz gibt es nicht?

Nein.

Sie wollen auch das Projekt «Hauptstadtregion» unterstützen, das noch weitgehend auf dem Papier steht. Diese Region soll von La-Chaux-de-Fonds bis Brig reichen. Wird da der Bogen nicht gar weit gespannt?

Die Gefahr besteht, dass es in diesem Riesenraum zu viele Projekte gibt, die nicht richtig vorankommen. Ich halte das Projekt jedoch für mehr als nur eine Idee. Die Hauptstadt macht uns einzigartig.

Wieso soll eine Firma kommen, nur weil Bern die Bundesstadt ist?

Für ein Industrieunternehmen ist dieser Aspekt tatsächlich weniger wichtig, aber es gibt doch viele Wirtschaftszweige, die von der Hauptstadt leben, etwa Verbände. Verbände sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, haben ziemlich viele Arbeitsplätze, generieren Kongresse und Übernachtungen im ganzen Kanton . . .

. . . Verbände haben doch relativ wenige Arbeitsplätze.

Immerhin bauen die Automobilverbände momentan ein grosses Zentrum im Osten Berns. Das zeigt doch, dass man nahe bei den Behörden und der Politik sein will. Vergessen Sie die zentrale Lage nicht.

Was aber was fehlt, ist ein internationaler Flughafen. 

Ich selber fliege praktisch jeden Monat nach Warschau, weil wir dort eine kleine Unternehmung besitzen. Ich fliege von Zürich aus, je nachdem, wo ich in Zürich wohne, hätte ich vielleicht etwa gleich lang bis zum Flughafen. Zudem bietet Bern-Belp interessante Connect-Flüge. Wir aber kaum der ideale Standort für internationale Grosskonzerne.

Weshalb nicht?

Da haben Zürich, Genf und Basel wegen der Flughäfen schlichtweg mehr zu bieten. Bern setzt dem seine konzentrierte Dichte an KMU entgegen. Das hat den Vorteil, dass wir in Zeiten der Rezession weniger absinken, in guten Zeiten allerdings auch weniger steigen. Es ist eindrücklich, wie viele Berner Firmen international Spitze sind, ohne Weltkonzerne zu sein.

Gemäss «Fokus Bern» soll Bern auch ein Gesundheitszentrum werden.

Das ist Bern schon, unser Gesundheitszentrum ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Das kann man plakativ am Herzzentrum Bern darstellen. Das muss in Bern bleiben. Es geht dabei nicht nur um die Herzchirurgen, sondern um grosse Teams, die wir hier behalten wollen.

Bern muss Zürich ausstechen, mit anderen Worten.

Ja. Beim Herzzentrum spricht alles dafür, dass Bern das Zentrum bleibt. Bern hat mehr vorzuweisen als Zürich, dabei geht es um Wesentlicheres als Eitelkeiten, es geht um Arbeitsplätze und um sehr viel Geld.

Ist Fokus Bern auch aus der Überlegung heraus entstanden, dass Sie es als Berner leid sind, immer nur Negatives über Bern zu hören?

Ja. Das ist eine gute Zusammenfassung meiner emotionalen Seite. Mit meinem Bruder zusammen führe ich seit 1988 unsere Unternehmung. Wir haben viel erreicht, auch dank der Unterstützung dieses Kantons, dank toller Mitarbeitenden, guter Infrastruktur und der zentralen Lage. Es gibt hier sehr viele positive und wichtige Standortfaktoren. Immer wieder erklären zu müssen, dass Bern besser sei als sein Ruf, hat etwas Bemühendes. Wir wollten nicht länger schweigen, wir möchten den Kanton Bern positiv darstellen, wie man das in einer Unternehmung auch versucht.

Wird Bern in den Medien schlecht gemacht?

Wenn ich an die Schlagzeile denke, Bern sei das Griechenland der Schweiz, dann ja. Bei anderen Medien sehe ich eher Unsorgfalt als Schlechtmachen. Man schreibt einander ab, bringt immer wieder die gleichen Argumente, ohne genau hinzuschauen. Mir fehlt eine gewisse Fairness.

Haben Sie dafür ein Beispiel?

Die Geschichte mit dem Finanzausgleich. Man schreibt, Bern erhalte eine Milliarde, aber wenn man das auf die Bevölkerungszahl umrechnet, sind wir irgendwo im Schweizer Mittelfeld und nicht an der Spitze der Bezüger.

Der Nachbarkanton Waadt, der auch eine sehr ländliche Struktur hat, zahlt in den Finanzausgleich ein.  

Die Waadt ist kleiner, hat eine weniger heterogene Struktur. Einfach gesagt: Wenn wir mit unseren Einkommenssteuern ins Mittelfeld der Kantone kommen möchten, gäbe das für den Kanton Steuerausfälle von 800 Millionen. Um noch weiter nach vorne zu kommen, müssten wir deutlich über eine Milliarde einsparen. Da kommt man bei allen Sparmöglichkeiten an eine Grenze.

Der Kanton Bern neigt zu Luxuslösungen, die er einfach nicht vermag. Etwa bei den Spitälern. 

Es gibt zu teure Lösungen. Beim Problem der Spitäler hat Bern aber in den letzten 10 Jahren schon einiges bewegt. Ein anderes Problem sehe ich darin, dass sich die Regionen gegenseitig blockieren. Jede Region will etwas für sich, keine will zu kurz kommen, statt die Gesamtsicht zu bewahren. Gemeinsame Ziele und mehr Zusammenarbeit sind gefordert.

Es hat schon andere Initiativen wie «Fokus Bern» gegeben. Der «Espace Mittelland» ist passeé. Existiert «Fokus Bern» in fünf Jahren noch?

«Espace Mittelland» war völlig anderes aufgebaut. Doch auch für den Erfolg von «Fokus Bern» geben wir keine Garantie. Wir legen dieses Projekt nun auf drei Jahre aus. Dann schauen wir weiter.

Es ist also denkbar, dass Sie «Fokus Bern» in drei Jahren auflösen.

Vielleicht. Gerade als Unternehmer nehme ich das abergelassen. Unternehmer sein heisst etwas wagen, an die Möglichkeiten glauben, zu handeln. Ich bin überzeugt, dass wir etwas bewegen.

Veröffentlicht unter Fokus Bern, Hauptstadtregion | 1 Kommentar

fair und teamorientiert (Walter Däpp)

Walter Däpp im Gespräch mit Peter Stämpfli. Erschienen in «Bauart Booklet #008», Juni 2012 (beachte Hinweis am Ende dieses Blogs). Text: Walter Däpp, Bern.
Bauart Planer und Architekten AG (www.bauart.ch) ist ein renommiertes Büro mit Niederlassungen in Bern, Neuchâtel und Zürich. Ihre Booklets werden von Walter Däpp verfasst und widmen sich dem gesellschaftlichen Umfeld der Architektur. Hier wird ein Auszug abgebildet.

Fair & teamorientiert. «Bauart wird von einem Partner-Gremium geführt und ist ein fairer Arbeitgeber. Von allen Mitarbeitenden wird ein hohes Mass an Eigenverantwortung und Teamfähigkeit erwartet.» Das steht im Leitbild von Bauart. Für Peter Stämpfli, Mitinhaber und Delegierter des Verwaltungsrats der im Verlagswesen und in der Unternehmenskommunikation tätigen Stämpfli AG mit 350 Mitarbeitenden, hängt Fairness im Geschäftsleben davon ab, wie man aufeinander zugeht: «Es liegt am (vermeintlich) Stärkeren, auf den (vermeintlich) Schwächeren zuzugehen. Immer. Ausnahmslos.» Das heisse für ihn, jede Mitarbeiterin und jeden Mitarbeiter nicht primär «als Arbeitnehmer und als Produktionsfaktor, sondern als Mensch wahrzunehmen». Und das heisse auch, Entscheide nicht nur zu fällen, sondern auch zu erläutern. So könne Fairness entstehen: «Fairness bedeutet nicht, dass alle gleich sein müssen. Fairness heisst, dass jeder das erhält, auf das er nach eigenem Empfinden einen berechtigten Anspruch hat. Das kann mit dem Lohn zusammenhängen, mit der Mitsprache, mit dem Umgangston. Und auch mit einer gewissen Nachsicht.» Auch die Fehlerkultur gehöre dazu: Damit zu rechnen, dass Fehler passieren können – und daraus zu lernen, um gemeinsam weiterzukommen: «Fairness setzt die Einsicht voraus, dass wir alle Fehler machen. Und die Bereitschaft, Fehler des andern zu akzeptieren. Im Team also nicht nur Erfolge zu feiern, sondern auch Misserfolge und Fehler im Team, also gemeinsam, aufzufangen.»

Dies sei nicht nur innerhalb eines Unternehmens so, sondern auch gegen aussen, in der Zusammenarbeit mit Kunden und Auftraggebern: «Diese haben ein Recht darauf, von uns jene Leistungen zu erhalten, die sie in guten Treuen von uns erwarten dürfen – oder idealerweise noch mehr.» In seinem Kommunikationsunternehmen sei es nicht anders als in der Architektur, sagt Stämpfli (der auch Beirat von Bauart ist): «Was wir tun, ist heute so komplex, dass man im Alleingang nicht ans Ziel kommt. Ohne die aktive Mithilfe des Auftraggebers geht es nicht.

Ein partnerschaftliches Miteinander ist wichtig. Nichts ist unbefriedigender, als sich allein gelassen zu fühlen – sei es als Kunde, sei es als Dienstleister.» Als Kunde sei er jeweils froh, «vom Fachmann an der Hand genommen zu werden». Und er schätze es, wenn dieser sich bemühe «zu verstehen, was ich will – auch wenn ich mich vielleicht nur ungenau auszudrücken vermag». Er erwarte, von Beginn weg auch auf Gefahren, Risiken, Möglichkeiten und Alternativen hingewiesen zu werden. Als Laie sei man ja nicht in der Lage, den Gesamtprozess eines Auftrags abzuschätzen. Ein guter Partner sei aber auch ein Sparringspartner: «Einer, der dagegenhält, wenn er merkt, dass es so nicht gut herauskommt.»

«Teamorientiert» – das heisst für Stämpfli: «Jeder übernimmt im Team seine Aufgabe und ist, wenn es Probleme gibt, jederzeit bereit, für andere einzuspringen.» Auch Achtung und Respekt gehörten dazu. Offenheit und Transparenz. Sachlichkeit und Emotionalität: «Teamarbeit kann auf Dauer nur in einem fairen Umfeld funktionieren. Es ist wie im Sport: Wenn einer unfair spielt, bricht das ganze Team auseinander.» Wichtig sei auch, «auf Feinheiten zu achten»: Auch in einem Team, das während langer Zeit gut zusammenzuarbeiten scheint, könnten sich negative Gewohnheiten und Verhaltensmuster einschleichen, die sich «bei genügender Achtsamkeit gegenseitig korrigieren lassen». Das Bauen an einem guten Arbeitsklima sei eine ständige Herausforderung, sagt Stämpfli – wie in der Architektur: «Zu einem guten Gebäude muss man Sorge tragen. Es ist problematisch, es mit Elementen zu verunstalten, die einem sachlich vielleicht gerechtfertigt erscheinen, ästhetisch aber schwierig sind. Weil man so beginnt, das Gesamte zu beeinträchtigen.» Oder bezogen auf das Arbeitsklima im Betrieb: «Wenn dieses Klima so ist, dass ein Mitarbeiter am Abend mit einem guten Gefühl nach Hause geht, ist die Chance gross, dass er am nächsten Morgen auch mit einem guten Gefühl wieder zur Arbeit kommt.»

Dies ist ein Auszug aus «Bauart Booklet #008». Dieses Kann bei Bauart Planer + Architekten AG, Laupenstrasse 20, 3008 Bern bezogen werden. bern@bauart.ch

Veröffentlicht unter Gesellschaft und Staat, Texte anderer Autoren, Unternehmensführung, Verantwortung | Hinterlasse einen Kommentar

Gemeinsam unterwegs?

Als Kolumne in der Berner Zeitung erschienen am 8. Juni 2012

«Steht auf, wenn Ihr Berner seid!», singen die Fans im Wankdorf. Doch wer sind die Berner? Sind das die hier Geborenen? Die Zugewanderten, die Vorüberziehenden? Was überhaupt ist der Kanton Bern? Was verbindet die Stadt-, Land- und Bergbevölkerung in unserem politisch festgelegten Gebiet? Welche Ziele haben wir, die von einer Mehrheit der Bevölkerung und der Parteien getragen werden und uns zu einer Willensgemeinschaft machen?

Ich bin ein Städter. Die Bergregionen kenne ich aus vielen Ferien, aus der Sicht des kurze Zeit Verweilenden, die Landregionen durch mehrwöchige Landdienste und durch die Familie meiner Frau. Meine Welt ist die des Städters, und die ist grundlegend anders als die der Land- und Bergbewohner. Genauer, ich empfinde sie anders, denn ich vermag kaum zu beschreiben, worin wir uns unterscheiden. Sind es der unterschiedliche Rhythmus, ein anderes Zeitempfinden, verschiedene Dringlichkeiten und Themen? «Wir stehen näher bei den Naturgewalten, bei Leben und Tod», meint ein Freund aus dem Saanenland. «Ihr Städter seid Rosinenpicker, wollt die heile Welt. Ihr regt euch auf, dass wir unsere Dörfer zersiedeln, im Mittelland aber macht Ihr genau dasselbe.» Wir Städter hören solches ungern und kontern, dass der Verwaltungsbezirk Bern-Mittelland der einzige Nettozahler im  kantonalen Finanzausgleich ist. Und so entstehen Vorurteile und Missverständnisse. Die Berg- und Landbevölkerung wird durch die Städter nicht selten als rückständig und subventionsaffin («Die machen doch gleich die hohle Hand, wenn es etwas schwieriger wird») bezeichnet, die Städter werden von den anderen als abgehoben empfunden («Die machen eh, was sie wollen»). So geht der Schlagabtausch hin und her, und verstehen tun wir uns dadurch nicht besser. Dabei haben wir mehr gemeinsam, als wir gerne zugeben, so die uns eigene bodenständige Ruhe, die ich als nachhaltige Stärke empfinde.

Kein anderer Kanton ist so heterogen wie unsrer. Das ist Problem und Chance zugleich. Wir haben starke Wirtschaftsgebiete, reiche Landwirtschafts- und wertvolle Naturgebiete. Was sich im Grossen findet, spiegelt sich im Kleinen: Starke Unternehmen gibt es auch in den Land- und Berggebieten, intakte Naturzonen ebenso in der Agglomeration, das macht unseren Kanton lebenswert und weniger anfällig auf Rezessionen.

So weit, so gut. Wir haben auch bedeutende strukturelle Probleme, die sich in der sehr hohen Steuerlast widerspiegeln und die wir vermindern müssen: Die Heterogenität bleibt ein Problem, wenn wir sie nicht als Chance nutzen. Wollen wir diese packen, sind alle Regionen aufeinander angewiesen. Nur gemeinsam haben wir die Möglichkeit, auf dem Erreichten aufzubauen, die Wirtschaft, das soziale und kulturelle Angebot und den Lebenswert zu verbessern und die Steuerlast langfristig zu senken. Steuersenkungen ergeben dann Sinn, wenn unnötige Leistungen nicht mehr erbracht und wenn gleichzeitig die Ausfälle kompensiert werden, zum Beispiel indem mehr Menschen mit hohen Einkommen in den Kanton ziehen. Das kann nur gelingen, wenn auch im Grossen Rat endlich Schluss damit ist, die Regionen mit teilweise grotesken Klimmzügen gegeneinander auszuspielen, aus Missgunst und bedacht auf den kurzfristigen Erfolg für die eigene Klientel. Gemeinsamen Erfolg hat nur, wer gemeinsame Ziele hat, regionen- und parteiübergreifend, verbindlich, langfristig. Da sind alle Politiker in der Pflicht, und wir Bürger auch, indem wir Zusammenarbeit und Ziele bei ihnen einfordern.

Veröffentlicht unter Hauptstadtregion, Kolumnen BZ | Hinterlasse einen Kommentar

Randnotiz: Ladenöffnungszeiten

Zwiespalt: Die einen plädieren für zumindest einen kollektiven freien Tag in der Woche, ein Ruhetag, an dem die Alltagshektik bei möglichst allen unterbrochen wird, an dem wir anderes tun, als arbeiten und einkaufen. Ein Tag, der dem Ausgleich dient, kollektiv verordnet, damit kein Stress aufkommt, ob ich den Tage frei nehmen soll oder nicht.

Dem steht das Verhalten einer wachsenden Bevölkerungsgruppe gegenüber, die auch an Wochenenden und in der Nacht einkaufen will, gerade weil sie während der Arbeitszeit dazu zu wenig Zeit hat. Ein verändertes Verhalten auch deshalb, weil immer mehr Menschen den einen freien Tag nicht am Sonntag, sondern unter der Woche nehmen wollen oder müssen. Allenfalls ein verändertes Verhalten auch, weil eine wachsende Anzahl Menschen mit ihrer Freizeit nichts mehr anzufangen wissen?

Unklar ist, was wir als Gemeinschaft (Staat) wollen: Einkaufen oder Ruhetag? Weil wir es nicht wissen, haben wir unfaire Regelungen: Während Tankstellenshops und Läden an Bahnhöfen abends und an Wochenenden offen sein dürfen, bleibt dies allen anderen Läden verwehrt, mit Ausnahmen in Tourismusregionen. Das ist störend. Die einen dürfen, die anderen dürfen nicht, und unterschieden wird dies anhand des Standorts (Bahnhof, Tankstelle). Weshalb darf der Laden ennet der Bahnhofstrasse nicht öffnen, der aber auf dem Bahnhofgelände schon?

Ob die Ladenöffnungszeiten freier gestaltet werden, ist anhand der Frage zu diskutieren, ob wir immer noch einen kollektiven Ruhetag durchsetzen wollen oder nicht. Wollen wir dies, dann müssten viele Lokale, die heute sonntags offen haben, zukünftig schliessen, damit möglichst wenig Menschen arbeiten müssen und der Ruhetag wirklich einer ist. Wollen wir dies nicht, müssen wir es allen ermöglichen, sonntags und abends offen zu haben, und wir werden nach neuen Formen von Ruhetagen suchen müssen, um nicht sieben Tage lang zu rotieren.

Veröffentlicht unter Randnotizen | 6 Kommentare

Unternehmerische Verantwortung

Kolumne, erschienen in der Berner Zeitung, 26.04.2012

Seit bald 24 Jahren bin ich Unternehmer. Ich habe das Glück, dass mir jeder Tag dieser Tätigkeit, sowohl in erfolgreichen wie auch in schwierigen Zeiten, Freude bereitet hat und bereitet. Die Freude ist stark mit der relativen Freiheit verbunden, die wir, mein Bruder und ich, als Familienunternehmer haben. Relativ, weil jedes Unternehmen in vielfältigen wirtschaftlichen, ökologischen, sozialen und kulturellen Abhängigkeiten steht.

Freiheit bedeutet «handeln können», also Ziele setzen und sie mit geeigneten Massnahmen erreichen. Joachim Gauck meint in seinem beachtenswerten Plädoyer «Freiheit»: «Ich nenne die Freiheit der Erwachsenen ‹Verantwortung›.» Ich trage meine Verantwortung abschliessend, es gibt keine höhere Instanz, der ich sie übertragen könnte, schon gar nicht dem Staat. Ich trage die Verantwortung glücklicherweise nicht alleine. Ich teile sie mit meinem Bruder, und ohne die engagierte und umfassende Unterstützung unserer Mitarbeitenden wäre sie unerträglich.

Die unternehmerische Verantwortung ist eine gesamtheitliche, sie umfasst mehr als die Ertragssicherung, sie ist weiter gefasst als in der Betriebswirtschaftslehre oft umschrieben. Sie umfasst das finanzielle Gedeihen des Unternehmens und schliesst die vielfältigen Wechselwirkungen und gesellschaftlichen und ethischen Fragen ein. Tatsächlich ist der Zweck eines Unternehmens, Kunden zu finden, die bereit sind, für die gebotenen Leistungen das zu bezahlen, was das Unternehmen benötigt. Das sagt nichts darüber aus, wie der Zweck erreicht werden kann, und nichts über den Sinn des Unternehmens.

Unternehmerische Verantwortung in unserem Jahrhundert bedeutet neben der betriebswirtschaftlichen zu allererst, die Mitarbeitenden als ganze Menschen und nicht nur als Arbeitskräfte ernst zu nehmen. Ich bin Ehemann, Vater, Bruder und Sohn, Nachbar, Stammkollege, Stiftungsrat und noch vieles mehr. Ich bin es immer gleichzeitig und bin nicht zeitweise Ehemann und dann wieder Unternehmer. Ich nehme die Stimmungen, Freuden und Sorgen von zu Hause mit an den Arbeitsplatz und umgekehrt. Dies ist bei allen unseren 350 Mitarbeitenden ebenso. Mit dieser Wechselwirkung zwischen privater und beruflicher Welt ist zu rechnen, und es gilt, in positivem Sinn auf sie Einfluss zu nehmen, ohne die Privatsphären zu verletzen. Dies ist auch insofern von Bedeutung, als wir wissen, dass Menschen besser arbeiten und glücklicher sind, wenn sie ihre Tätigkeit als sinnvoll empfinden und ihre Lebensbalance ausgeglichen ist.

Gesamtheitliche Verantwortung bedeutet, das eigene Unternehmen als Teil der Gesellschaft zu betrachten. Deren Wohlergehen, das möglichst einwandfreie Funktionieren des Staates, ein intaktes soziales, ökologisches und kulturelles Umfeld muss den Unternehmer interessieren, zum einen weil sein privates und berufliches Befinden davon abhängt, zum andern weil in einer direktdemokratischen Gesellschaft nicht die «Classe politique», sondern wir alle der Staat sind und jede und jeder im Rahmen ihrer und seiner Möglichkeiten einen Beitrag zur positiven Entwicklung leisten muss. Als Unternehmer trage ich aufgrund meiner Stellung und Möglichkeiten diesbezüglich eine besondere Verantwortung – immer.

Veröffentlicht unter Kolumnen BZ, Unternehmensführung, Verantwortung | Hinterlasse einen Kommentar

Weltkonzerne sind nicht das Mass aller Dinge

Erschienen in „Die Zeit“, 9. Februar 2012

Hier ist Größe allein keine Strategie. Warum der Kanton Bern besser ist als sein Ruf. Eine Entgegnung.

Auslegeordnung zum Kanton Bern, die Stefan von Bergen in der vergangenen Ausgabe der ZEIT (Nr. 6/12, nachzulesen auch unter http://www.zeit.de/2012/06/CH-Bern) vorgenommen hat, ist treffend. Die differenzierte Darstellung der Fakten entspricht der Sorgfalt, die den Autor auszeichnet.

Die von ihm beschriebene Dominanz der Landbezirke, welche die Entwicklungen in den städtischen Agglomerationen blockieren, und der Mangel an strategischem Denken sind Kernprobleme des Kantons. Jedoch können zwei Paradigmen, mit denen der Autor arbeitet, nicht unwidersprochen bleiben, weil sie überholt sind: Größer ist nicht zwingend besser, und unternehmerische Monokultur ist kein Allheilmittel. Wenn nur Großkonzerne betrachtet werden, dann erhält unser Kanton ein »genügend«. »Das Fehlen von Unternehmergeist ist eine historische Berner Erblast«, schreibt dazu der Autor. Betrachten wir aber auch die Berner KMU-Welt – und nicht nur die Großunternehmen –, wird diese Behauptung Lügen gestraft. Wo werden die innovativsten Elektrovelos der Schweiz entwickelt und hergestellt? Wo ist die weltweit größte Uhrenindustrie zu Hause und wo die innovativste Cleantech-Branche? Oder wo findet das wichtigste Schweizer Unternehmerforum mit internationaler Bedeutung statt? Und wo sind die Hauptsitze des am schnellsten wachsenden Reisebüros der Schweiz, des weltgrößten Sportartikelhändlers und des führenden Sicherheitsunternehmens? Im Kanton Bern.

Mehr noch. In der Hauptstadt Bern wurden der Kongressstandort und das Messegelände ausgebaut. Mit den Fußball- und Eishockeystadien sowie dem Freizeit- und Einkaufszentrum Westside verfügt die Stadt über eine Infrastruktur, die im europäischen Vergleich top ist. Finanziert wurden diese Bauten privat, als unternehmerisches Engagement. Sie wurden nicht gesponsert wie etwa in Basel. Und im Gegensatz zu Zürich bauen wir unsere Großprojekte tatsächlich und reden nicht nur davon; die größte Stadt der Schweiz versucht seit Jahren erfolglos ein neues Fußballstadion zu bauen und reibt sich auf im politischen Gezerre um ein neues Kongresszentrum. Im Artikel von Stefan von Bergen bleibt dies leider alles unerwähnt. Wer Bern analysiert, um die Zukunft zu planen, muss den Blickpunkt ändern, den Paradigmenwechsel suchen: Größe allein ist keine Strategie, Weltkonzerne sind nicht das Maß aller Dinge, die Steuerfrage nicht die einzig entscheidende. Wagen wir es, den Blick abzuwenden vom selbstgerechten Auftritt einiger Regionen. Bern ist weniger aufgeregt als andere Standorte, man macht hier die Dinge, die zu tun sind. Man erzeugt hohe Innovationskraft ohne Geschrei. Und man lebt gerne. Doch wir Berner müssen, da liegt Stefan von Bergen richtig, die Strategie klären – und endlich beginnen, die positive Entwicklung besser zu kommunizieren. Von Bergen schreibt: »Andreas Rickenbacher sieht seinen Kanton als Ort, wo dereinst Wachstum mit Nachhaltigkeit kombiniert wird, wo das Wohnen noch erschwinglich ist und wo es noch ökonomische Rückzugsflächen gibt. Sehr dynamisch tönt das leider nicht.« Der Autor übernimmt die oft gehörte Aussage, Bern lebe gerne im Mittelmaß. Sie wird auch durch Wiederholung nicht wahr. Regierungsrat Rickenbachers Sicht ist richtig. Gesundes Wachstum statt Wachstum um jeden Preis, Erholungsgebiete, ökologische Sorgfalt, Wohnraum für alle Schichten sind bedeutsam in einer Zeit, in der, aufgrund zunehmender Komplexität, die Menschen nach mehr Ausgleich fragen, in der die Unsicherheit über die ökologische Zukunft steigt, in der das Zusammenwirken von Wirtschaft, Kultur und Sozialem ein Muss ist. Rickenbacher zeigt mit Bedacht in eine andere Richtung als das Bankenfiasko in Zürich, monströse Gewinne auf Kosten des Gesundheitswesens in Basel und völlig überteuerte Wohnsituationen rund um den Genfersee.

Wir müssen den Paradigmenwechsel wagen. Der Blick aufs Ganze, Vielfalt statt wirtschaftlicher Monokulturen sind gefragt. Zürich ist der Bankenplatz, Basel der Life-Science-Standort, Bern steht für Vielfalt. Innovation und Wachstum, verbunden mit Lebensqualität für alle Schichten, sind Ausgangspunkt für die Berner Strategie. Der Blick aufs Ganze gilt auch für eine selbstbewusste Schweiz, die die Landregionen als Chance sieht, zum Beispiel im Tourismus, als Naturerlebnis oder für sportliche Aktivitäten; so auch das Emmental und das Berner Oberland, das für sich allein der fünftgrößte Kanton der Schweiz wäre und sechsmal größer als Obwalden ist. Wären die Berner Landgebiete Teil von Zürich, würde dieser Kanton im eidgenössischen Finanzausgleich zum Nettoempfänger und Bern zum Nettozahler. Auch die wirtschaftsstarke Region Bern-Mittelland kann die Berner Landgebiete nicht allein finanzieren. Wir sind eben eine Schweiz, die alle Regionen gemeinsam tragen muss, so wie wir alle Zürich getragen haben. Wie sähe dieser Kanton ohne Swissair- und UBS-Rettung und ohne die Milliarden für die ETH aus? Der Kanton Bern macht seine Hausaufgaben und ist im Aufbruch. Seine Ausgangslage für eine erfolgreiche Zukunft ist im Schweizer und europäischen Vergleich ausgezeichnet.

Veröffentlicht unter Hauptstadtregion | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar